Immer mehr Beschäftigte sehnen sich nach Flexibilität am Arbeitsplatz – Workation, also das zeitlich befristete Arbeiten aus dem Ausland, wird für viele Unternehmen und Mitarbeitende zum attraktiven Modell. Doch vor der Verlagerung der Arbeit in den Süden oder an neue Orte müssen wichtige rechtliche, steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Details geklärt werden. Diese Vorbereitung ist unerlässlich, um Risiken wie Bußgelder, Doppelbesteuerung oder arbeitsrechtliche Probleme zu vermeiden.
Workation: Definition und Zustimmungspflicht
Workation bedeutet die vorübergehende Verlegung des Arbeitsortes ins Ausland, häufig über mehrere Wochen oder Monate. Ein gesetzlicher Anspruch auf Workation besteht derzeit nicht – weder in Deutschland noch in Österreich oder anderen europäischen Ländern. Die Zustimmung des Arbeitgebers ist immer erforderlich, häufig empfiehlt sich eine schriftliche Zusatzvereinbarung, die sämtliche Eckpunkte wie Dauer, Ort, Erreichbarkeit und Arbeitszeit präzisiert. Das Arbeiten im Ausland ohne explizite Erlaubnis kann Konsequenzen nach sich ziehen und im Extremfall bis zur Kündigung führen. Besonders wichtig: Arbeitgeber und Arbeitnehmende sollten gemeinsam abstimmen, wie Fragen wie Datenschutz, Haftung und Erreichbarkeit während der Workation geregelt werden [4].
Arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen während der Workation
Im Fall einer Workation bleibt im Regelfall das am gewöhnlichen Arbeitsort geltende Arbeitsrecht weiterhin maßgeblich, sofern der Arbeitsvertrag keine abweichenden Regeln trifft und es sich um eine vorübergehende Abwesenheit handelt. Dies gilt unabhängig davon, in welchem Land das Arbeiten stattfinden soll. Dennoch können im Gastland zusätzliche, zwingende Schutzvorschriften zu beachten sein: Beispielsweise können nationale Bestimmungen zu Arbeitszeit, Kündigungsschutz oder Arbeitssicherheit gelten. Um Konflikte zu vermeiden, empfiehlt sich für jedes Zielland eine detaillierte Prüfung, ob spezielle Melde- oder Registrierungspflichten einzuhalten sind oder örtliche Mindeststandards zu beachten sind [4][5].
Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis: Was ist zu beachten?
Innerhalb der EU, des EWR und der Schweiz profitieren Staatsangehörige dieser Staaten grundsätzlich von der Arbeitnehmerfreizügigkeit, das heißt: Für eine Workation sind im Regelfall keine zusätzlichen Arbeitserlaubnisse nötig [5]. Für Drittstaaten – also Länder außerhalb von EU, EWR und Schweiz – kann dagegen eine Arbeit nur aufgenommen werden, wenn die arbeits- und aufenthaltsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Ein Touristenvisum berechtigt in der Regel nicht zur Ausübung einer Beschäftigung; Verstöße ziehen empfindliche Strafen bis hin zu Einreiseverboten oder Nachforderungen an Arbeitgeber nach sich.
Steuerliche Aspekte der Workation
Bei vorübergehender Tätigkeit im Ausland können bereits nach kurzer Zeit steuerliche Pflichten im Gastland entstehen. Dabei spielt nicht nur die Dauer der Tätigkeit eine Rolle, sondern auch, wo die Arbeitsleistung erbracht wird, wer das Gehalt auszahlt und in welchem Land der Arbeitgeber seinen Sitz hat. Für viele internationale Arbeitssituationen greifen zwischen den meisten Ländern sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen. Diese sollen verhindern, dass das Einkommen im Heimatland und im Gastland zugleich versteuert werden muss. Die klassische 183-Tage-Regel wird dabei häufig als Richtschnur genannt. Ob aber tatsächlich im Ausland eine Steuerpflicht entsteht, hängt immer vom jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen und der konkreten Situation ab. Es ist daher ratsam, sich vorab bei Steuerfachleuten zu informieren und das jeweilige Abkommen sorgfältig zu prüfen.
Doppelbesteuerungsabkommen im Überblick
Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Ländern regeln, welches Land das Besteuerungsrecht für ein Einkommen hat, das über Landesgrenzen hinweg erzielt wird. Sie sind insbesondere dann relevant, wenn der Arbeitsaufenthalt im Ausland länger als nur wenige Tage dauert oder der Arbeitgeber im Ausland ansässig ist. Wichtig ist: Die alleinige Aufenthaltsdauer – etwa die „183-Tage-Regel“ – liefert zwar einen Anhaltspunkt, jedoch genügt sie nicht, um alle steuerlichen Risiken auszuschließen. Die konkrete Gestaltung des Arbeitsverhältnisses, die wirtschaftliche Zurechnung des Einkommens und mögliche Meldepflichten sind in jedem Einzelfall gesondert zu bewerten.
Sozialversicherung und die Rolle der A1‑Bescheinigung
Wer aus einem EU-, EWR- oder Schweiz-Staat vorübergehend grenzüberschreitend arbeitet, benötigt im Regelfall eine sogenannte A1‑Bescheinigung. Dieses Dokument bestätigt, in welchem Land weiterhin Sozialversicherungspflicht besteht, und schützt so vor doppelten Beiträgen oder nachträglicher Beitragspflicht im Gastland. Die A1‑Bescheinigung ist also nicht nur eine Formsache, sondern elementare Voraussetzung für die rechtssichere Workation innerhalb Europas [1][3]. Ist keine A1‑Bescheinigung vorhanden, kann die Arbeitstätigkeit im Gaststaat vor Ort als ungültig bewertet werden, Risiken wie Bußgelder sind die Folge [3]. Es empfiehlt sich, die Details der Sozialversicherungspflicht für das jeweilige Zielland jeweils individuell zu prüfen [1][6].
Bei Workation außerhalb von EU, EWR oder Schweiz – sogenannten Drittstaaten – müssen eventuell andere oder gar keine Sozialversicherungsabkommen bestehen. Fehlen entsprechende Vereinbarungen, drohen unter Umständen Doppelversicherungen oder Versorgungslücken. Hier empfiehlt sich deshalb grundsätzlich eine individuelle Klärung mit Experten oder Behörden.
Unterschiede zwischen EU/EWR/Schweiz und Drittstaaten
Die europäische Gesetzgebung sorgt zwischen den EU-Mitgliedstaaten, dem EWR und der Schweiz für weitgehend einheitliche Regeln zu Arbeitnehmerfreizügigkeit, Sozialversicherung und Besteuerung. Wer außerhalb dieser Staaten arbeitet, sieht sich oft mit anderen oder noch restriktiveren arbeits-, steuer- oder aufenthaltsrechtlichen Regelungen konfrontiert. Die jeweiligen nationalen Vorschriften zu Meldung, Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung sind unbedingt einzuhalten, da andernfalls erhebliche Strafen drohen können.
Typische Herausforderungen und Praxisprobleme
Fehlen erforderliche Unterlagen wie die A1‑Bescheinigung, können im Ausland Bußgelder oder nachträgliche Beiträge zur Sozialversicherung verhängt werden [3]. Ein weiterer Risikofaktor ergibt sich durch Arbeiten mit unzulässigen Visa – etwa wenn Tätigkeiten im Ausland ohne die richtigen Arbeitserlaubnisse ausgeübt werden. Darüber hinaus besteht – je nach betrieblicher Organisation – das Risiko, aus Versehen eine Betriebsstätte im Ausland zu begründen. Dies kann zu steuerlichen Nachforderungen und Meldepflichten sowohl für Beschäftigte als auch für Arbeitgeber führen.
Aktuelle Entwicklungen und Empfehlungen zur Dokumentation
Die Europäische Union arbeitet derzeit an klareren Vorgaben zum mobilen Arbeiten und Workation. Bis verbindliche Regeln für alle Staaten vorliegen, bleibt die individuelle Klärung der Rechtslage für jedes Land entscheidend. Es empfiehlt sich, vorab sämtliche Vereinbarungen rund um die Workation schriftlich zu fixieren. Neben den zentralen Rahmenbedingungen wie Arbeitszeit, Anwesenheit, Rückkehr und Digitalvorgaben gehören dazu auch die Einholung notwendiger Nachweise und die Dokumentation aller Absprachen und Genehmigungen [4].
Unterlagen und Vereinbarungen vor der Abreise
Für einen reibungslosen und sicheren Workation-Aufenthalt sind bestimmte Vorbereitungen unumgänglich. Arbeitgeber und Arbeitnehmer beziehungsweise Selbstständige sollten eine schriftliche Absprache über die wichtigsten Punkte – darunter auch Regelungen zu Arbeitszeit, Erreichbarkeit und Rückkehr – treffen. Innerhalb der EU/EWR/Schweiz ist häufig eine A1‑Bescheinigung erforderlich, die vor der Abreise beantragt werden sollte; hierzu ist eine nationale Detailprüfung angezeigt [1]. Für außereuropäische Staaten müssen gegebenenfalls eigene Steuerbescheinigungen, Arbeits- oder Aufenthaltsgenehmigungen und weitere Nachweise eingeholt werden. Je nach Zielstaat und Tätigkeit ist zudem eine fachliche Beratung sinnvoll, insbesondere wenn Datenschutz, spezielle Meldepflichten oder betriebliche Vertraulichkeit berührt sind.
Fazit: Flexible Arbeit braucht klare Regeln
Workation ermöglicht moderne Arbeitsformen, stellt aber sowohl Unternehmen als auch Beschäftigte vor komplexe rechtliche Herausforderungen. Mit sorgfältiger Planung, rechtskonformer Dokumentation und der Einhaltung aller Pflichten zu Sozialversicherung, Steuer und Arbeitsrecht lassen sich die Vorteile mobiler Arbeit sicher und effizient ausschöpfen. Jede Workation sollte individuell vorbereitet und alle länderspezifischen Compliance-Anforderungen beachtet werden, um die Flexibilität im Rahmen geltender Gesetze bestmöglich zu nutzen.
Quellen
[1] A1‑Bescheinigung – Arbeiten im EU‑Ausland (Deutsche Rentenversicherung) (Deutsche Rentenversicherung, 2026-05-17)
[3] Workation im Ausland: Was Arbeitgeber wissen müssen (Die Techniker) (Die Techniker, 2021-04-01)
[4] Arbeitsrechtliche Anforderungen bei der Umsetzung einer Workation (NWB Zeitschriften) (NWB Zeitschriften, 2024-09-20)
[5] Homeoffice im Ausland – Anwendbares Recht (Haufe) (Haufe, 2026-07-15)
[6] Homeoffice/Workation im EU‑/EWR‑Staat (TK Fachinformation) (Die Techniker)




















